Geschichte des Transplantationszentrums

In Deutschland führte W. Brosig die erste Nierentransplantation am 27.11.1963 durch, damals war er Extraordinarius der Urologischen Universitätsklinik am Krankenhaus Berlin-Westend. Auch die von ihm am 13.5.64 durchgeführte Lebendspende-Nierentransplantation gilt als die erste erfolgreiche Lebendspende in Deutschland.

In Köln nahm F.W. Eigler die erste Nierentransplantation am 15.2.1968 in der Chirurgischen Universitätsklinik Köln vor, deren Ordinarius zu dieser Zeit G. Heberer war. Er wurde bei seinen ersten Transplantationen von W. Brosig unterstützt. Die erste Nierentransplantation in Köln war sehr erfolgreich: bis zum 2.7.84 blieb das Organ funktionstüchtig.

Mit ersten experimentellen Studien zur Organkonservierung hatte H.J. Bretschneider bereits 1966 am II. Lehrstuhl für Chirurgie der Universität zu Köln begonnen. Die hieraus hervorgegangene Konservierungslösung erwies sich nach zahlreichen Studien als effektiv und kam 1987 unter dem Namen HTK-Lösung zum routinemäßigen Einsatz. Sie ist bis heute die Standard Organprotektionslösung.

Das Kölner Transplantationszentrum arbeitet bereits seit 1968 mit der EUROTRANSPLANT FOUNDATION (ET) zusammen, einer niederländischen Stiftung mit Sitz in Leiden, deren Gründer und langjähriger Präsident J.J. van Rood ein Jahr zuvor die Idee vom HLA-orientierten Organaustausch hatte.

Die Transplantation der soliden Organe blieb nicht auf die Nieren beschränkt. Der zunehmende Anteil der Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 1 auf der Warteliste führte 1987 an der Universitätsklinik zu den ersten Pankreas-Nieren-Transplantationen durch R. Grundmann und J.U. Hesse.

1992 wurde an der Klinik für Innere Medizin I unter der Leitung von V. Diehl ein Programm für autologe und allogene Stammzelltransplantation etabliert.

Die erste Herztransplantation wurde in der Klinik für Herzchirurgie der Universität zu Köln am 4.1.1994 von E.R. de Vivie und F. Kuhn-Regnier durchgeführt.

Eine bedeutende Erweiterung des Kölner Transplantationsprogramms erfolgte 1996 durch die Lebertransplantation, die 10.12.1996 von A.H. Hölscher und K.T.E. Beckurts erstmals in Köln-Lindenthal ausgeführt wurde.

Im Jahre 2002 wurde von D. Stippel und K.T.E. Beckurts die erste Dünndarmtransplantation bei einem Patienten mit Kurzdarm-Syndrom erfolgreich durchgeführt.

Die Möglichkeit einer Cornea-Transplantation besteht bereits seit 1965 in der Augenklinik der Universität zu Köln.

Die erste Nieren - Lebendspende wurde an der Uniklinik Köln 1974 bereits durchgeführt. Mit dem Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes 1998 konnten neben erstgradig Verwandten auch emotional nahestehende Menschen einander ein Organ spenden. Die Lebendspende nahm einen weiteren Aufschwung. Seit 2008 werden auch „Blutgruppen inkompatible“ Lebendspenden durchgeführt. T. Benzing und S. Teschner brachten das entsprechende Wissen über die Beeinflussung des Blutgruppen Isoagglutinine ein.
Seit 2010 werden die Lebendspenden minimal-invasiv retroperitoniscopisch durchgeführt. Diese Patienten schonende sogenannte HARP-Technik wurde von D. Stippel an der Uniklinik eingeführt.

Im Frühjahr 2010 wurde als eine überbrückende Therapie die erste Leberzelltransplantation bei einem Säugling mit einer angeborenen Stoffwechselstörung Primäre Hyperoxalose Typ I durch eine Kooperation der Kinderkliniker B. Hoppe und B. Beck mit vielen Partner des Transplantationszentrums ermöglicht.